Daten & Recherche Zuletzt geprüft: 2026-05-28 30+ Primärquellen · 28 Verfahren, Urteile & Lizenzdeals

Tracker für KI-Urheberrechtsklagen (2026)

Jedes bedeutsame KI-Urheberrechtsverfahren, jeder Vergleich und jede regulatorische Entscheidung mit Auswirkungen auf Autorinnen und Autoren, Verlage und Buchcover-Designer:innen - jeweils mit Aktenzeichen, aktuellem Stand, Streitwert, nächstem Termin und einem Link zur Primärquelle. Monatlich aktualisiert.

1,5 Mrd. USD

Vergleich Bartz v. Anthropic (August 2025) - größter Urheberrechtsvergleich in der US-Geschichte. Rund 500.000 Werke, ca. 3.000 USD pro Werk; Anmeldequote 91,3 %. Anhörung zur endgültigen Genehmigung am 14. Mai 2026 stattgefunden; finale Genehmigung wird geprüft.

Source: Zusammenfassung der Authors Guild zum Vergleich ↗
8. Sep 2026

Beginn des Geschworenenprozesses Andersen v. Stability AI - erster KI-Urheberrechtsprozess vor einer Jury in den USA (Sammelklage von Künstler:innen, N.D. Cal., Richter Orrick)

Source: CourtListener-Akte ↗
3 Mrd. USD

Concord/UMG/ABKCO v. Anthropic (Lyrics II, Januar 2026) - Schadensersatzforderung der Musikverlage wegen Schattenbibliotheks-Training, gestützt auf über 20.000 Liedtexte, Kompositionen und Notensatzdateien

Source: TechCrunch / Klageschrift N.D. Cal. ↗
20 Mio.

ChatGPT-Logs, deren Herausgabe gegen OpenAI in NYT v. OpenAI angeordnet wurde - die bislang folgenreichste Discovery-Entscheidung im KI-Kontext (Magistratsrichterin Wang, 13. Mai 2025; bestätigt am 5. Januar 2026)

Source: Bloomberg Law / SDNY ↗
Ende 2026 / 2027

Konsolidierter Prozess Disney + Universal + Warner Bros. v. Midjourney - erster großer Studios-vs.-KI-Bildgenerator-Prozess (C.D. Cal., Richter Kronstadt). Hunderte Charaktere aus Star Wars, Marvel, Pixar, DC, Hanna-Barbera; Geschworenenprozess beantragt; Milliarden-Risiko.

Source: CourtListener - Disney v. Midjourney ↗
15 Mio. € / 3 %

Bußgeldobergrenze nach Artikel 53 EU-KI-Verordnung - 15 Mio. € oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes für Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck (GPAI), die keine Zusammenfassung ihrer Trainingsdaten veröffentlichen (in Kraft seit August 2025; vollständige Durchsetzung ab August 2026). Für deutsche KI-Anbieter direkt bindend; die Bundesnetzagentur übernimmt die nationale Aufsichtsrolle.

Source: EU-Verordnung 2024/1689 ↗

Über diesen Tracker

Die urheberrechtliche Auseinandersetzung um generative KI ist das größte rechtliche Einzelthema, mit dem die Verlagsbranche derzeit konfrontiert ist. Dieser Tracker konzentriert sich auf die Verfahren, Urteile, Regelungen und Lizenzvereinbarungen, die Autor:innen, Verlage und Buchcover-Designer:innen unmittelbar betreffen — der erste Vergleich über 1,5 Mrd. USD wird ausgezahlt, der erste KI-Urheberrechtsprozess vor einer Jury steht für September 2026 im Kalender, und die KI-Trainingsdaten-Offenlegungspflicht des EU AI Act tritt im August 2026 in die volle Durchsetzung. Für eine umfassende Abdeckung von Verlagsklagen aus dem Pressebereich, Musik und außereuropäischen KI-Verfahren empfehlen wir BakerHostetlers Tracker, CourtListener oder die Jahresübersicht der Copyright Alliance.

Jeder Eintrag nennt die Parteien, das Gericht, das Aktenzeichen, die zuständige Richterin oder den zuständigen Richter, den aktuellen Verfahrensstand, geltend gemachte Geldbeträge, den nächsten Termin sowie einen Link zur Primärquelle (CourtListener-Akte, Gerichts-PDF, Webseite der Justiz, offizielle Pressemitteilung oder Zusammenfassung der Authors Guild). Verwandte Themen - Vergleiche, regulatorische Vorgaben, Mustervertragsklauseln - sind dort einbezogen, wo sie die Präzedenzlandschaft prägen.

Wenn Sie Inhalte dieser Seite zitieren, zitieren Sie bitte die zugrunde liegende Akte oder das Urteil, nicht uns. Wir sind ein Tracker; die Quelle sind die Gerichte.

1. Sammelklagen von Buchautor:innen gegen LLM-Anbieter (USA)

Urheberrechtsklagen von Buchautor:innen gegen die großen LLM-Entwickler konzentrieren sich auf zwei Gerichtsstandorte: den Northern District of California (Sitz des Bartz-Vergleichs und des Fair-Use-Urteils in Kadrey v. Meta) und den Southern District of New York (wo die MDL 3143-Konsolidierung nun die Verfahren Authors Guild, Tremblay, Silverman, Chabon, Alter/Sancton und Basbanes bündelt). Bartz ist der globale Referenzpunkt für die Aufteilung legale-Akquise / Raubkopien-Akquise, aber das erste Fair-Use-Urteil zum KI-Training kam früher - in Thomson Reuters v. Ross Intelligence (D. Del., Feb 2025), wo Richter Bibas Fair Use im B2B-Rechtssuche-Kontext ablehnte. Jede nachfolgende Klage zitiert sowohl Bibas als auch Alsup.

Grundlegendes Fair-Use-Urteil - erstes Summary Judgment zur KI-Trainingsfrage

Thomson Reuters v. Ross Intelligence

6. Mai 2020 · D. Del. · 1:20-cv-00613 · Richter Stephanos Bibas

Fair-Use-Verteidigung im Summary Judgment abgelehnt

Erstes US-Urteil, das Fair Use für KI-Training ablehnt (B2B-Rechtssuche-Kontext)

Status (May 2026)
Teilweises Summary Judgment für die Klägerin am 11. Februar 2025 erteilt. Ross Intelligence stellte den Betrieb 2021 ein; das Haftungsurteil besteht. Schadensersatzverfahren und mögliche Berufung anhängig.
Key rulings & events
  • 11. Feb 2025 Richter Bibas: Teilweises Summary Judgment für Thomson Reuters - Ross' Nutzung der Westlaw-Headnotes zum Training seines KI-Rechtsrecherche-Tools war kein Fair Use. Das Gericht stellte fest, dass die Nutzung nicht transformativ (Ross entwickelte ein konkurrierendes Rechtsrecherche-Produkt) war und Marktschaden verursachte. Das frühere Urteil von 2023, das Ross beim Fair Use begünstigt hatte, wurde aufgehoben.
  • 2021 Ross Intelligence beendete den Geschäftsbetrieb unter Verweis auf Prozesskosten; das Verfahren wurde ohne kommerzielle:n Beklagte:n bis zum Urteil weitergeführt.
Next milestone
Schadensersatzverfahren und mögliche Berufung beim Federal Circuit.
Why it matters
Erstes US-Urteil zu KI-Training und Fair Use - und das erste, das die Verteidigung ablehnt. Wird in jeder nachfolgenden Klageschrift zitiert, einschließlich der Bartz-Opposition und des Berichts Teil 3 des US Copyright Office. Ross' Fakten (B2B-Konkurrenzprodukt, Kopieren zu Wettbewerbszwecken) unterscheiden sich von generativen KI-Beklagten, aber Bibas' Rahmen - nicht-transformative Nutzung + Marktschaden - ist nun die Vorlage, die jede:r Kläger:in geltend macht.

"It is undisputed that Ross's use was commercial. Even though Ross built a research tool, not a generative AI tool, that is enough."

— Richter Stephanos Bibas (Summary Judgment vom 11. Feb 2025)

Sammelklage - durch Vergleich beigelegt

Bartz v. Anthropic PBC

19. Aug 2024 · N.D. Cal. (US-Bundesgericht Nord-Kalifornien) · 3:24-cv-05417 · Richter William H. Alsup

Vergleich über 1,5 Mrd. USD

rund 500.000 Werke · ca. 3.000 USD pro Werk · Anmeldequote 91,3 %

Status (May 2026)
Anhörung zur endgültigen Genehmigung am 14. Mai 2026 stattgefunden; Entscheidung wird mit Stand 28. Mai 2026 noch geprüft. Anmeldefrist am 30. März 2026 abgelaufen; 440.490 von 482.460 zugelassenen Werken angemeldet (91,3 %).
Key rulings & events
  • 23. Jun 2025 Teilweises summarisches Urteil von Richter Alsup: Training mit rechtmäßig erworbenen Büchern = Fair Use ("spektakulär transformativ"); das Vorhalten von über 7 Millionen raubkopierten LibGen/PiLiMi-Kopien in einer "zentralen Bibliothek" = Verletzung und Verweisung an die Hauptverhandlung. (LibGen und PiLiMi sind auch im deutschsprachigen Diskurs die zentralen Schattenbibliotheken.)
  • 25. Aug 2025 Die Parteien gaben einen Vergleich über 1,5 Mrd. USD bekannt - der größte dokumentierte Urheberrechtsvergleich in den USA.
  • 25. Sep 2025 Vorläufige Genehmigung erteilt.
  • 30. Mär 2026 Anmeldefrist endete bei einer Anmeldequote von 91,3 %.
Next milestone
Beschluss zur endgültigen Genehmigung wird nach der Fairness-Anhörung vom 14. Mai 2026 erwartet. Erste Auszahlungen an Autor:innen voraussichtlich ab Juni 2026 oder später (vorbehaltlich etwaiger Berufungen). Zahlungsplan: 300 Mio. USD nach der Genehmigung, 450 Mio. USD bis zum 25. Sep 2026, 450 Mio. USD bis zum 25. Sep 2027.
Why it matters
Erster US-Vergleich zum Urheberrecht beim KI-Training. Die Aufteilung legaler Erwerb / Raubkopien-Erwerb aus dem Alsup-Urteil wird in der Concord-Lyrics-II-Klageschrift, dem GEMA-Urteil aus München sowie in den Carreyrou-Opt-out-Schriftsätzen zitiert.

"The technology at issue was among the most transformative many of us will see in our lifetimes. (Die hier streitgegenständliche Technologie gehört zu den transformativsten, die viele von uns in ihrem Leben sehen werden.)"

— Richter William Alsup (summarisches Urteil vom 23. Juni 2025)

Verfahrensbündelung (Multidistrict Litigation) - aktive Discovery

In re OpenAI, Inc. Copyright Infringement Litigation (MDL 3143)

MDL-Übertragung am 3. Apr 2025 · S.D.N.Y. (US-Bundesgericht Süd-New York) · 1:25-md-03143 · Richter Sidney H. Stein

Gesetzlicher Schadensersatz bis zu 150.000 USD pro Werk

Konsolidiert die Sammelklagen Authors Guild + Alter + Sancton + Basbanes + Tremblay + Silverman + Chabon

Status (May 2026)
Aktive Discovery in der konsolidierten Sammelklage (Baldacci v. OpenAI). Beklagte: OpenAI, Microsoft. Mitgliedsverfahren, die zuvor im N.D. Cal. anhängig waren, wurden im April 2025 übertragen; Auswahl der Bellwether-Verfahren steht aus.
Key rulings & events
  • 4. Apr 2025 Richter Stein wies den Antrag von OpenAI/Microsoft auf Klageabweisung zurück; die Klägerseite habe eine Urheberrechtsverletzung sowohl auf Trainingsdaten- als auch auf Ausgabeseite hinreichend substantiiert dargelegt.
  • 13. Jun 2025 Eingang der konsolidierten Klageschrift (Baldacci-Caption - David Baldacci, Mary Bly, Michael Connelly, Sylvia Day, Jonathan Franzen, John Grisham, Elin Hilderbrand, George R.R. Martin, Jodi Picoult, Douglas Preston, George Saunders, Scott Turow sowie Pulitzer-prämierte Sachbuchautor:innen).
  • Okt 2025 Richter Stein wies den OpenAI-Abweisungsantrag zu unmittelbarer, mittelbarer und beitragender Urheberrechtsverletzung auf der Grundlage von ChatGPT-Ausgaben zurück.
  • 10.-13. Mär 2026 Discovery-Statusanhörung und Vergleichsanhörung abgehalten.
Next milestone
Laufende Sachverhalts-Discovery; Auswahl der Bellwether-Hauptverhandlung Ende 2026 erwartet.
Why it matters
Die größte konsolidierte Sammelklage von Autor:innen gegen einen LLM-Anbieter. Jede Entscheidung zur konsolidierten Klageschrift hat breite Präzedenzwirkung für die gesamte Branche.

"Systematic theft on a mass scale. (Systematischer Diebstahl in großem Stil.)"

— Konsolidierte Klageschrift, zur Charakterisierung der Trainingsdaten-Praktiken von OpenAI

Sammelklage - summarisches Urteil zugunsten der Verteidigung

Kadrey, Silverman, Golden et al. v. Meta Platforms

7. Jul 2023 · N.D. Cal. · 3:23-cv-03417 · Richter Vince Chhabria

Fair-Use-Sieg für Meta - aber eng gefasst

13 namentlich benannte Autor-Kläger:innen; eine Klassenzertifizierung wurde nicht angestrebt

Status (May 2026)
Nach summarischem Urteil. Direkte Trainingsansprüche wegen Fair Use abgewiesen; auf Verbreitung gestützte Ansprüche (mutmaßliches Seeding/Hochladen via Torrent durch Meta während der LibGen-Aufnahme) bestehen fort. Die Klägerseite prüft eine Berufung.
Key rulings & events
  • Nov 2023 MTD-Entscheidung: Die meisten Nebenansprüche (DMCA, Fahrlässigkeit, ungerechtfertigte Bereicherung, UCL) wurden abgewiesen; der Anspruch wegen unmittelbarer Verletzung blieb bestehen.
  • 25. Jun 2025 Richter Chhabria gab dem Antrag Metas auf summarisches Fair-Use-Urteil statt: Das Training von LLaMA mit den Büchern der Kläger:innen sei "highly transformative" (hochgradig transformativ) gewesen; die Klägerseite habe jedoch keine zulässigen Beweise für eine Marktverwässerung vorgelegt. Die Verbreitungsansprüche dürfen fortgeführt werden.
Next milestone
Discovery zu den Verbreitungsansprüchen; mögliche Berufung gegen die Fair-Use-Entscheidung.
Why it matters
Erste US-Entscheidung, die Fair Use für ein großes LLM-Trainingskorpus aus raubkopierten Schattenbibliotheken zuerkennt - das Gericht beschränkte die Reichweite jedoch ausdrücklich auf diese 13 Kläger:innen und ließ die Marktverwässerungstheorie für künftige Klassen offen.

"In the grand scheme of things, the consequences of this ruling are limited. This ruling does not stand for the proposition that Meta's use of copyrighted materials to train its language models is lawful. (Im großen Ganzen sind die Folgen dieser Entscheidung begrenzt. Sie stellt keine Aussage darüber dar, dass Metas Nutzung urheberrechtlich geschützter Materialien zum Trainieren ihrer Sprachmodelle rechtmäßig ist.)"

— Richter Vince Chhabria (25. Juni 2025)

Sammelklage - Schriftsatzphase

Bird v. Microsoft Corp. (Megatron-Klage)

24. Jun 2025 · S.D.N.Y. · MDL 3143 · Richter Sidney H. Stein

Bis zu 150.000 USD pro Werk

Richtet sich gegen Microsofts Megatron-LM separat von den gemeinsamen OpenAI/Microsoft-Verfahren

Status (May 2026)
In MDL 3143 eingegliedert; Stand Mai 2026 in der Schriftsatzphase.
Key rulings & events
  • 24. Jun 2025 Klageschrift eingereicht von Kai Bird, Jonathan Alter, Mary Bly, Eugene Linden, Daniel Okrent, Hampton Sides, Jia Tolentino, Victor LaValle, Rachel Vail und Simon Winchester. Die Klage verweist auf den Lizenzvertrag zwischen Microsoft und HarperCollins als Beleg dafür, dass Microsoft "wusste", dass Bücher lizenzpflichtig sind.
Next milestone
MDL-Discovery-Verfahren; Bellwether-Auswahl.
Why it matters
Erste eigenständige Klage von Autor:innen gegen Microsofts eigenen LLM-Stack, gestützt auf Microsofts bestehende Buchlizenzbasis als Indiz für wissentliche Verletzung.
Klage von Autor:innen gegen mehrere Beklagte - Schriftsatzphase

Carreyrou et al. v. Anthropic, OpenAI, Google, Meta, xAI, Perplexity

22. Dez 2025 · N.D. Cal. · 25-cv-10897

Bis zu ca. 900.000 USD pro Buch

150.000 USD gesetzlicher Schadensersatz × 6 Beklagte

Status (May 2026)
Anfangsschriftsatzphase; Erwiderungen der Beklagten ausstehend. Zu den Kläger:innen zählen Opt-outs aus dem Bartz-Vergleich, angeführt vom Pulitzer-Preisträger John Carreyrou (Bad Blood).
Key rulings & events
  • 22. Dez 2025 Klageschrift eingereicht mit dem Vorwurf, die Beklagten hätten Bücher der Autor:innen aus LibGen, Z-Library und OceanofPDF kopiert.
Next milestone
Erstes Case-Management-Hearing und Abweisungsanträge der Beklagten.
Why it matters
Erste Einzelklage von Buchautor:innen gegen xAI und gegen Perplexity. Signalisiert, dass prominente Autor:innen, die sich von Klassenvergleichen abgemeldet haben (Bartz), nun gesetzlichen Schadensersatz mehrfach gegen verschiedene Beklagte kumulieren.

"A deliberate act of theft. (Eine vorsätzliche Tat des Diebstahls.)"

— Klageschrift

Bartz gilt ausschließlich für Anthropic und nur für vergangene Handlungen; das Verfahren lizenziert kein zukünftiges Training und schließt Ansprüche aus Handlungen nach dem 25. August 2025 nicht aus. Kadrey gilt nur für 13 namentlich benannte Kläger:innen. Alle anderen Sammelklagen von Autor:innen sind nach wie vor anhängig.

2. Presse & Medien gegen KI-Anbieter

Der Discovery-Rahmen aus NYT v. OpenAI prägt jedes KI-Trainingsdaten-Verfahren — die gerichtlich angeordnete Sicherung und Herausgabe von ChatGPT-Protokollen schafft die Vorlage, an der die Buchautor:innen-Verfahren (Bartz, MDL 3143, Kadrey) gemessen werden. Die übrigen Presseverlagsklagen (Daily News, CIR, Intercept, Raw Story, Dow Jones v. Perplexity, NYT v. Perplexity, Ziff Davis) sowie die OpenAI-Lizenzvereinbarungen mit Pressehäusern (News Corp 250 Mio. USD, Axel Springer, FT, Le Monde, Condé Nast, Hearst, plus die Kohorte 2025) folgen verwandten Mustern; für fallspezifische Berichterstattung dort siehe BakerHostetlers Tracker oder CourtListener.

Verfahren eines Presseverlags - aktive Discovery (MDL 3143)

The New York Times v. OpenAI / Microsoft

27. Dez 2023 · S.D.N.Y. · 1:23-cv-11195 · Richter Sidney H. Stein; Magistratsrichterin Ona T. Wang

Herausgabe von 20 Mio. ChatGPT-Logs angeordnet

Die NYT verlangt gesetzlichen Schadensersatz in Milliardenhöhe

Status (May 2026)
Aktive Discovery innerhalb von MDL 3143. Die gerichtlich angeordnete Chat-Log-Herausgabe ist die bislang folgenreichste Discovery-Entscheidung im KI-Kontext.
Key rulings & events
  • 13. Mai 2025 Magistratsrichterin Wang ordnete an, dass OpenAI sämtliche Output-Log-Daten aufbewahrt und gesondert vorhält.
  • 26. Jun 2025 Richter Stein bestätigte die Aufbewahrungsanordnung trotz Datenschutzeinwänden von OpenAI.
  • 26. Sep 2025 Anordnung modifiziert - OpenAI muss neu erstellte Logs nicht mehr aufbewahren, aber alle bereits gespeicherten Daten weiter vorhalten.
  • 5. Jan 2026 Richter Stein bestätigte Wangs Anordnung, OpenAI zur Herausgabe der gesamten anonymisierten 20-Millionen-Log-Stichprobe zu zwingen, und wies OpenAIs handverlesene Teilmenge zurück.
Next milestone
Fortgesetzte Discovery-Vorlage im Laufe des Jahres 2026; Hauptverhandlungstermin noch nicht festgesetzt.
Why it matters
Etabliert, dass KI-Anbieter nach Federal Rule of Civil Procedure 37 zur Aufbewahrung von Nutzer-Chat-Logs für Rechtsstreitigkeiten verpflichtet sein können - mit nachgelagerten Folgen für Datenschutz und Produktgestaltung. OpenAI hat im Juni 2025 öffentlich gegen die Anordnung Stellung bezogen; der Rahmen wurde in den nachfolgenden Discovery-Entscheidungen in Dow Jones v. Perplexity und Ziff Davis v. OpenAI zitiert.

Britannica + Merriam-Webster reichten im September 2025 Klage gegen Perplexity und im März 2026 gegen OpenAI ein - Verfahren von Nachschlagewerk-Verlagen gegen KI sind inzwischen ein eigener Teilbereich. Die Welle der OpenAI-Lizenzdeals mit Verlagen 2025-2026 besteht parallel zu den aktiven Klagen von Verlagen gegen OpenAI.

3. Musikbranche gegen KI-Generatoren

Liedtexte sind Text — Urteile zum KI-Training auf Songtexten gelten daher unmittelbar für Buchtexte und für die Frage, ob KI-Outputs urheberrechtlich geschützter Textfragmente angreifbar sind. Das Verfahren der Concord-Musikverlage gegen Anthropic ist hier das Leitverfahren. Für reine KI-Musikgenerator-Verfahren (Suno, Udio — einschließlich des UMG-Udio-Vergleichs, der die erste öffentlich offengelegte KI-Musik-Lizenzgebühr von 0,002–0,005 USD pro Generierung etablierte) siehe spezialisierte Tracker.

Liedtext-Training — Quer-Summary-Judgment-Anträge anhängig + Folgeverfahren zur Piraterie

Concord, UMG, ABKCO v. Anthropic (Lyrics)

18. Okt 2023 (TN); verwiesen 2024 · N.D. Cal. · 5:24-cv-03811 · Richterin Eumi K. Lee

ca. 499 Werke · 3-Mrd.-USD-Folgeverfahren (Jan 2026)

Ursprünglich bis zu 75 Mio. USD gefordert; Lyrics-II-Klageschrift (29. Jan 2026) nennt über 20.000 Schattenbibliotheks-Dateien und fordert Schadensersatz „über 3 Milliarden USD"

Status (May 2026)
Quer-Anträge auf teilweises summarisches Urteil anhängig nach dem Klägerantrag vom 23. März 2026. Output-Schutzmechanismen per Stipulation in Kraft. Eine separate Lyrics-II-Klageschrift wurde am 29. Januar 2026 von denselben Verlagen eingereicht — gestützt auf Discovery-Erkenntnisse aus Bartz v. Anthropic, die über 20.000 Songs, Liedtexte, Kompositionen und Notensatzdateien in Anthropics Schattenbibliotheks-Trainingsdaten zutage gefördert hatten.
Key rulings & events
  • Mär 2025 Richterin Lee wies den Antrag der Verlage auf einstweilige Verfügung zurück — die Kläger:innen hätten nicht nachgewiesen, dass der bestehende Lizenzmarkt unterboten werde. Die Parteien vereinbarten, Anthropics Schutzmechanismen aufrechtzuerhalten, die verhindern, dass Claude Liedtexte der Verlage reproduziert.
  • 29. Jan 2026 Lyrics-II-Klageschrift im N.D. Cal. eingereicht — dieselben Verlage, Schadensersatzforderung „über 3 Milliarden USD", gestützt auf in Bartz aufgedeckte Schattenbibliotheks-Dateien.
  • 23. Mär 2026 Die Verlage beantragten in Lyrics I ein teilweises summarisches Urteil und beriefen sich auf Anthropics Eingeständnis, dass „mindestens ein Claude-Modell auf einem Datensatz trainiert wurde, der die Liedtexte von mindestens einhundert (100) der Werke der Verlage enthielt."
Next milestone
Entscheidung zum summarischen Urteil in Lyrics I Mitte 2026 erwartet; Lyrics II im Schriftsatzstadium.
Why it matters
Erstes großes Verfahren zum Liedtext-Training. Die Fair-Use-Entscheidung legt die Untergrenze für die KI-Musik-Lizenzmarktsätze fest — und dieselbe Logik gilt für jeden KI-generierten Text, der urheberrechtlich geschützte Liedtexte reproduziert, einschließlich in Büchern.

4. Bildende Künstler:innen & Bildgeneratoren (Relevanz für Buchcover)

Die Verfahren bildender Künstler:innen sind für Verlage und Self-Publishing-Autor:innen relevant, weil sie über den rechtlichen Status KI-generierter Buchcover entscheiden. Zwei Erzählstränge laufen parallel: der US-Cluster aus Andersen / Getty / Disney-Universal-Warner mit Hauptverhandlungen Ende 2026 und 2027 - und die Entscheidungen aus dem Vereinigten Königreich und Deutschland (Getty UK, Kneschke v. LAION), die für die EU- und UK-Seite bereits eine vorläufige Antwort liefern.

Sammelklage bildender Künstler:innen - erster KI-Urheberrechtsprozess vor einer Jury

Andersen v. Stability AI

13. Jan 2023 · N.D. Cal. · 3:23-cv-00201-WHO · Richter William H. Orrick III

Hauptverhandlung am 8. September 2026

Erster KI-Urheberrechts-Geschworenenprozess in den USA

Status (May 2026)
Aktive Discovery. Dritte geänderte Klageschrift eingereicht am 27. Februar 2026; Erwiderungen am 13. März 2026. Schriftsätze zur Klassenzertifizierung im Frühjahr/Sommer 2026.
Key rulings & events
  • 30. Okt 2023 Richter Orrick gab den meisten Abweisungsanträgen statt, ließ jedoch Andersens Anspruch wegen unmittelbarer Urheberrechtsverletzung fortbestehen.
  • 12. Aug 2024 Beschluss zur Ersten geänderten Klageschrift akzeptierte die "Modell-Theorie" - dass Stable Diffusion selbst eine rechtsverletzende Kopie sein könnte, weil das Modell komprimierte Transformationen der Werke der Kläger:innen verkörpere. Direkte, mittelbare und beitragende Verletzung sowie Lanham-Act-/Markenansprüche gegen Midjourney überstanden allesamt den Abweisungsantrag. CMI-Ansprüche nach DMCA § 1202(b) wurden mit Wirkung gegen erneute Geltendmachung abgewiesen.
  • 27. Feb 2026 Dritte geänderte Klageschrift eingereicht.
Next milestone
Geschworenenprozess soll am 8. September 2026 beginnen.
Why it matters
Leitverfahren für den gesamten Bereich visueller KI. Falls Richter Orricks "Modell-als-Kopie"-Theorie die Hauptverhandlung übersteht, könnte jedes nachgelagerte Bild - einschließlich KI-generierter Buchcover aus Stable Diffusion oder dessen Forks - als von einem rechtsverletzenden Trainingsdatensatz abgeleitete Kopie eingestuft werden.

"Built to a significant extent on copyrighted works… created to facilitate that infringement by design. (In erheblichem Umfang auf urheberrechtlich geschützten Werken aufgebaut… so konzipiert, dass es diese Verletzung gezielt ermöglicht.)"

— Richter Orrick zur Charakterisierung der Klägervorwürfe (Beschluss vom 12. August 2024)

Stockbild-Klägerin - teilweiser MTD-Erfolg

Getty Images v. Stability AI (US - neu eingereicht)

14. Aug 2025 · N.D. Cal. · 3:25-cv-06891-TLT · Richterin Trina L. Thompson

Bis zu ca. 1,08 Mrd. USD Risiko

7.216 urheberrechtlich geschützte Bilder × gesetzlicher Schadensersatz

Status (May 2026)
Aktiv in der frühen Discovery. Ursprüngliches Delaware-Verfahren am 18. August 2025 beendet und neu im N.D. Cal. eingereicht.
Key rulings & events
  • 14. Aug 2025 Delaware-Verfahren freiwillig eingestellt; am selben Tag neu im N.D. Cal. eingereicht.
  • 23. Apr 2026 MTD-Entscheidung: Gettys DMCA § 1202(a)-Anspruch auf falsche CMI ohne Wirkung gegen erneute Geltendmachung abgewiesen; unmittelbare Urheberrechtsverletzung, Markenverletzung (gestützt auf Stable-Diffusion-Ausgaben, die das Getty-Wasserzeichen reproduzieren) und kalifornischer UCL-Anspruch bestehen fort.
Next milestone
Frist für die Erste geänderte Klageschrift am 7. Mai 2026; gemeinsame Case-Management-Erklärung am 29. Oktober 2026; Case-Management-Konferenz am 5. November 2026.
Why it matters
Die Markentheorie über Wasserzeichen-Ausgaben ist die engste Analogie zu einem Buchcover-Streit - wenn ein im Training erhaltenes Getty-Wasserzeichen in der Ausgabe als Markenverletzung gilt, haftet eine Cover-Designerin, die ein Bild mit erkennbarem Logo, Zeichen oder Signaturmerkmal erzeugt, direkt für die Ausgabe, getrennt von jedem Anspruch auf Trainingsdatenebene.
UK-Urteil - Modellgewichte sind keine "Kopie"

Getty Images v. Stability AI (Vereinigtes Königreich - High Court of Justice)

16. Jan 2023 · Chancery Division · IL-2023-000007 · [2025] EWHC 2863 (Ch) · Mrs Justice Joanna Smith DBE

Stability AI gewinnt in der Sache

Bis zu 1,7 Mrd. USD ursprünglich gefordert; nur enge Markenansprüche wegen Wasserzeichen hatten Erfolg

Status (May 2026)
Urteil verkündet am 4. November 2025. In der Sache zugunsten von Stability AI entschieden.
Key rulings & events
  • 4. Nov 2025 Anspruch auf unmittelbare Urheberrechtsverletzung während der Hauptverhandlung aufgegeben (Getty konnte nicht nachweisen, dass die Trainingsakte im Vereinigten Königreich stattfanden). Sekundäre Urheberrechtsverletzung ABGEWIESEN - Mrs Justice Smith entschied, dass KI-Modellgewichte keine "Kopie" im Sinne des Copyright, Designs and Patents Act 1988 sind. Markenverletzung in äußerst engem Umfang festgestellt: Bestimmte frühe Stable-Diffusion-Versionen erzeugten Ausgaben mit Getty-/iStock-Wasserzeichen, die Verletzung sei jedoch "historic and extremely limited" (historisch und äußerst begrenzt). Der § 10(3)-Markenanspruch wegen Marken mit Reputation wurde abgewiesen; zusätzlicher Schadensersatz wurde versagt.
Next milestone
Keine Berufung öffentlich bekannt (Stand Mai 2026).
Why it matters
Erstes bedeutendes westliches Urteil, das feststellt, dass KI-Modellgewichte selbst KEINE Kopie der Trainingsdaten sind. Für britische Verlage, die KI-gestützte Cover in Auftrag geben, sind Ansprüche wegen Trainingsdaten-Verletzungen vor britischen Gerichten schwer durchsetzbar, wenn das Training im Ausland stattfand - Ansprüche auf Output-Ebene wegen Markenverletzung und Wasserzeichen bleiben jedoch tragfähig.

"The Model itself does not store any of those Copyright Works; the model weights are not themselves an infringing copy. (Das Modell selbst speichert keines dieser urheberrechtlich geschützten Werke; die Modellgewichte sind selbst keine rechtsverletzende Kopie.)"

— Mrs Justice Joanna Smith DBE, [2025] EWHC 2863 (Ch)

Studios gegen KI-Bildgenerator - Vorverfahren

Disney + Universal + Warner Bros. v. Midjourney (konsolidiert)

Disney/Universal 11. Jun 2025; WB 4. Sep 2025 · C.D. Cal. (US-Bundesgericht Zentralkalifornien) · 2:25-cv-05275-JAK-AJR (Leitverfahren) · Richter John A. Kronstadt

Risiko in mehrstelliger Milliardenhöhe

Hunderte Figuren aus Star Wars, Marvel, Pixar, DreamWorks, DC, Hanna-Barbera

Status (May 2026)
Aktive Discovery im Jahr 2026. Midjourney entschied sich für eine Klageerwiderung statt eines Abweisungsantrags. Die Verfahren Disney und Warner Bros. wurden Anfang 2026 für sämtliche Zwecke einschließlich der Hauptverhandlung konsolidiert.
Key rulings & events
  • 6. Aug 2025 Midjourney reichte Klageerwiderung ein und machte Verteidigungsgründe geltend, darunter Fair Use ("quintessentially transformative" - im Kern transformativ), Lizenz, de minimis und DMCA-Safe-Harbor. Geschworenenverfahren beantragt.
  • 18. Nov 2025 Vorverhandlungsplan festgesetzt.
  • 22. Mai 2026 Informelle Discovery-Konferenz abgehalten.
Next milestone
Hauptverhandlung voraussichtlich Ende 2026 / 2027.
Why it matters
Erster großer Test der urheberrechtlichen Haftung auf Output-Ebene für KI-Bildgeneratoren in Bezug auf erkennbare Figuren. Ein Sieg der Studios würde eine Bild-für-Bild-Verletzung für KI-generierte Abbildungen markenrechtlich geschützter Figuren etablieren und Midjourneys Fair-Use-Verteidigung in der Hauptsache verwerfen. Cover-Designer:innen, die KI-Arbeiten für eine Marke in Auftrag geben, deren Rechteinhaberin in einer der beiden Klageschriften auftaucht, sollten dieses Verfahren unmittelbar verfolgen.

"A bottomless pit of plagiarism. (Ein bodenloser Abgrund des Plagiats.)"

— Klageschrift Disney/Universal, zur Charakterisierung von Midjourney

Sammelklage bildender Künstler:innen - nach MTD

Zhang v. Google (Imagen)

26. Apr 2024 · N.D. Cal. · 5:24-cv-02531 · Richterin Araceli Martínez-Olguín

Sechs Google-KI-Produkte umfasst

PaLM, GLaM, LaMDA, Bard, Gemini, Imagen

Status (May 2026)
In der Discovery zusammen mit anderen von Saveri / Butterick geführten Verfahren bildender Künstler:innen.
Key rulings & events
  • 11. Sep 2025 Das Gericht entschied, dass die Kläger:innen eine Urheberrechtsverletzung in Bezug auf sechs Google-KI-Produkte plausibel dargelegt haben. Der Imagen-Anspruch zum Bildgenerator hatte Bestand.
Next milestone
Schriftsätze zur Klassenzertifizierung noch nicht öffentlich terminiert.
Why it matters
Identisches Anwaltsteam und teilweise Klägerüberschneidung mit Andersen - die Andersen-Theorien werden nun auf Google Imagen ausgeweitet, das hinter Googles Enterprise-Stack für Bildgenerierung steht und von einigen Design-Plattformen genutzt wird.
Deutschland - Entscheidung zur TDM-Schranke, BGH-Revision anhängig

Kneschke v. LAION

2023 · LG Hamburg 310 O 227/23; OLG Hamburg 5 U 104/24 (Berufung) · Urteil vom 10. Dezember 2025

LAION obsiegt zur Forschungs-TDM-Schranke nach § 60d UrhG

In Klartext-Englisch formulierter Nutzungsvorbehalt nicht als "maschinenlesbar" anerkannt

Status (May 2026)
Das Oberlandesgericht Hamburg wies Kneschkes Berufung am 10. Dezember 2025 zurück. Revision zum Bundesgerichtshof (BGH) zugelassen; Kneschke verfolgt diese - es wäre die erste Entscheidung des deutschen BGH zu KI-Training und Urheberrecht.
Key rulings & events
  • 27. Sep 2024 Das LG Hamburg entschied zugunsten von LAION auf Grundlage der wissenschaftlichen TDM-Schranke nach § 60d UrhG.
  • 10. Dez 2025 Das OLG Hamburg bestätigte: LAION ist eine "sonstige Einrichtung" wissenschaftlicher Forschung im Sinne der Vorschrift; Kneschkes englischsprachiger Nutzungsvorbehalt wurde als ungültig angesehen, da er nicht als "maschinenlesbar" im Sinne von Art. 4 DSM-Richtlinie / § 44b UrhG anzusehen sei. (Genau die deutsche Umsetzung von Art. 4 DSM-RL in § 44b UrhG steht hier auf dem Prüfstand.)
Next milestone
BGH-Revisionseinlegung und Terminierung (2026).
Why it matters
Nach aktuellem EU- und deutschem Recht ist das Training auf web-gescrapten Bildern grundsätzlich zulässig, sofern kein maschinenlesbarer Nutzungsvorbehalt vorliegt - eine deutsche Cover-Designerin oder ein deutscher Verlag, die Stable Diffusion eingesetzt haben, erzeugen demnach allein dadurch, dass LAION die Ausgangsbilder aufgenommen hat, kein rechtsverletzendes Werk. Die BGH-Revision könnte diese Linie verfestigen oder den Spielraum für EU-weite Haftung öffnen.

Eine eigenständige Sammelklage von Concept-Art-Verbänden wurde - trotz häufiger Gerüchte - bislang nicht eingereicht. DeviantArt ist Beklagte in Andersen, hat aber keine eigene Spiegelklage erhoben. Die Authors Guild hat (Stand Mai 2026) keine eigene US-Sammelklage speziell gegen KI-generierte Buchcover eingereicht - aber die Mustervertragsklauseln vom April 2026 verbieten KI-Cover-Art ohne ausdrückliche Einwilligung der Autor:innen.

5. Internationale Verfahren (außerhalb der USA)

Die EU-Verfahren, die Autor:innen und Verlage in Buchmärkten unmittelbar betreffen. Das deutsche Verfahren GEMA v. OpenAI ist das erste europäische Gerichtsurteil zu KI-Training und Memorization-Output-Verletzung; das französische SNE v. Meta ist die erste verbandlich koordinierte EU-Klage von Autor:innen und Verlagen. Für eine breitere internationale Abdeckung (Korea, Japan, China, Vorverfahren UK) siehe BakerHostetlers Tracker oder die Jahresübersicht der Copyright Alliance.

Erste europäische Entscheidung zu Training und Output-Verletzung durch KI

GEMA v. OpenAI (Deutschland - Liedtexte)

Nov 2024 · Landgericht München I · Urteil vom 11. November 2025

GEMA obsiegt in der Tatsacheninstanz

In Deutschland: erstes europäisches Gericht, das einen KI-Entwickler für die Memorierung und Reproduktion urheberrechtlich geschützter Texte haftbar macht

Status (May 2026)
Zugunsten der GEMA entschieden. OpenAI prüft eine Berufung zum Oberlandesgericht (OLG München).
Key rulings & events
  • 11. Nov 2025 Das Gericht entschied, dass sowohl die "Memorierung" urheberrechtlich geschützter Liedtexte in den Modellparametern als auch deren Reproduktion in den Ausgaben eine Vervielfältigung im Sinne des deutschen Urheberrechts darstellen. OpenAIs Berufung auf die TDM-Schranke nach § 44b UrhG wurde zurückgewiesen: Die GEMA habe ihre Rechte wirksam vorbehalten. OpenAI wurde dazu verurteilt, die Reproduktion von neun konkret bezeichneten Liedtexten zu unterlassen - bei Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250.000 € oder Ordnungshaft je Zuwiderhandlung; zudem wurden Schadensersatz, Lizenzgebühren und Auskunftsanspruch zugesprochen.
Next milestone
Berufungsschriftsätze Mitte 2026 erwartet.
Why it matters
Erstes verbindliches europäisches Präjudiz, das KI-Training und die Ausgabe memorierter urheberrechtlich geschützter Texte als Rechtsverletzung qualifiziert - auch dann, wenn sich der Anbieter auf die DSM-TDM-Schranke beruft. Die US-Bartz-Logik (Fair Use bei legalem Erwerb / Verletzung bei raubkopiertem Erwerb) lässt sich NICHT 1:1 auf das EU-Regime übertragen - Rechteinhaber:innen in der EU haben einen zusätzlichen, engeren Weg zum Erfolg.
Erste koordinierte EU-Klage von Verbänden der Autor:innen und Verlage

SNE, SNAC & SGDL v. Meta (Frankreich)

6. Mär 2025 · 3. Kammer des Pariser Justizgerichts

Entfernung unautorisierter Trainingsdatensätze + Schadensersatz

Vorwurf: Meta habe gegen die Offenlegungspflicht nach Art. 53 Abs. 1 lit. d EU-KI-Verordnung verstoßen

Status (May 2026)
Anhängig; Schriftsatzphase.
Key rulings & events
  • 6. Mär 2025 Der wichtigste französische Verlegerverband (Syndicat National de l'Édition) reichte gemeinsam mit den Gewerkschaften der Autor:innen und Komponist:innen Klage ein und wirft Meta "massive Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke ohne Erlaubnis" zum Training von Llama vor. Geklagt wird zusätzlich zur unmittelbaren Urheberrechtsverletzung auf der Theorie der "parasitären" Handlungen (parasitisme).
Next milestone
Erste mündliche Verhandlungen 2026.
Why it matters
Erste koordinierte Klage eines großen EU-Verlegerverbands gegen ein führendes KI-Labor wegen Buchtrainingsdaten. Bereitet die GEMA-Argumentation speziell für Bücher vor.

6. Regierung, Regulierung & Politik

Regulatorisches Handeln wird zunehmend zum Hebel - Gerichte agieren im Tempo von Hauptverhandlungen, doch die EU-KI-Verordnung, die Berichte des US Copyright Office und die Position des britischen House of Lords haben bereits jetzt verändert, was KI-Anbieter offenlegen müssen und welche Urheberrechtsregistrierungen für KI-gestützte Werke verfügbar sind.

Regierungsbericht - Vorabversion in Kraft

US Copyright Office Report, Part 3 - Generative AI Training

9. Mai 2025 (Vorabversion)

Fair Use kann nicht vermutet werden

Marktauswirkungsrahmen berücksichtigt ausdrücklich "verlorene Lizenzmärkte"

Status (May 2026)
Die Vorabversion gilt weiterhin als USCO-Leitlinie; die Endfassung verzögert sich infolge der Kontroverse um die Entlassung der Register of Copyrights.
Key rulings & events
  • 9. Mai 2025 Fair Use kann für KI-Training nicht vermutet werden; Einzelfallprüfung. "Making commercial use of vast troves of copyrighted works to produce expressive content that competes with them in existing markets, especially where this is accomplished through illegal access, goes beyond established fair use boundaries." (Die kommerzielle Nutzung großer Bestände urheberrechtlich geschützter Werke zur Erstellung von Inhalten, die mit ihnen in bestehenden Märkten konkurrieren - insbesondere wenn dies über illegalen Zugriff geschieht - geht über die etablierten Grenzen des Fair Use hinaus.)
Next milestone
Veröffentlichung der Endfassung ausstehend.
Why it matters
Wird in der Argumentation rund um den Bartz-Vergleich umfassend zitiert und untermauert die Lizenzmarkt-Argumente der Authors Guild. Das Konzept "verlorene Lizenzmärkte" bedeutet, dass jeder offengelegte KI-Verlagsdeal die Fair-Use-Verteidigung für die nächste Beklagte verengt.

"The use of entire copyrighted works is less clearly justified in the context of AI training than it was for Google Books. (Die Nutzung ganzer urheberrechtlich geschützter Werke ist im Kontext des KI-Trainings weniger eindeutig gerechtfertigt als bei Google Books.)"

— US Copyright Office, Part-3-Bericht (Vorabversion, 9. Mai 2025)

Regierungsbericht - bindende USCO-Registrierungspraxis

US Copyright Office Report, Part 2 - Copyrightability

29. Jan 2025

Prompts allein begründen keine Urheberschaft

Menschliche Bearbeitung, Anordnung oder Auswahl von KI-Ausgaben KANN schutzfähig sein

Status (May 2026)
Endfassung; bindende USCO-Registrierungspraxis.
Key rulings & events
  • 29. Jan 2025 Reine KI-Ausgaben sind nicht urheberrechtlich schutzfähig. KI-generierte Inhalte sind in Registrierungsanträgen offenzulegen. Stützte sich auf über 10.000 öffentliche Stellungnahmen aus 67 Ländern.
Next milestone
Fortlaufende Einzelfallprüfung durch das USCO.
Why it matters
Stellt fest, dass rein KI-generierte Werke in den USA nicht urheberrechtsfähig sind - die rechtliche Grundlage hinter den "Human Authored"-Zertifizierungsprogrammen und der praktische Grund, warum Self-Publishing-Autor:innen, die KI stark einsetzen, möglicherweise den Urheberrechtsschutz an ihren Büchern verlieren.
Verordnung - in Kraft

EU-KI-Verordnung Artikel 53 Abs. 1 lit. d - GPAI-Trainingsdaten-Zusammenfassung

Verordnung 2024/1689; wirksam ab 2. August 2025; vollständige Durchsetzung ab 2. August 2026; bestehende Modelle ab 2. August 2027

15 Mio. € oder 3 % des weltweiten Umsatzes

Höchstgeld bei Verstoß gegen die Pflicht zur Veröffentlichung der Trainingsdaten-Zusammenfassung

Status (May 2026)
Für neue GPAI-Modelle seit August 2025 in Kraft. Compliance-Prüfung durch das AI Office im Vorlauf zur vollständigen Durchsetzung im August 2026 angelaufen. Für deutsche KI-Anbieter unmittelbar bindend; die Bundesnetzagentur fungiert in Deutschland als zuständige Aufsichtsbehörde.
Key rulings & events
  • 24. Jul 2025 Das AI Office veröffentlichte die offizielle Vorlage, die die Offenlegung von Datenmodalitäten, Datensatzgröße, Identifizierung wichtiger öffentlicher Datensätze sowie narrative Beschreibungen lizenzierter, gescrapter, nutzergenerierter und synthetischer Datenquellen verlangt.
Next milestone
Vollständige Durchsetzung ab 2. August 2026; bestehende GPAI-Modelle müssen bis zum 2. August 2027 konform sein.
Why it matters
Erste verbindliche globale Transparenzpflicht, die Rechteinhaber:innen einen durchsetzbaren Einblick in die Trainingsbasis von KI-Modellen verschafft. Untermauert sämtliche Theorien zur Rechtevorbehaltung auf EU-Seite.
Parlamentarischer Ausschussbericht

UK House of Lords - AI, Copyright and the Creative Industries

6. Mär 2026 · HL Paper 267 · Communications and Digital Committee

Lehnt kommerzielle TDM-Schranke ab

Befürwortet Lizenz-zuerst-Modell + verpflichtende Transparenz

Status (May 2026)
Endfassung; Antwort der Regierung steht aus.
Key rulings & events
  • 6. Mär 2026 Empfiehlt verpflichtende Transparenz für große KI-Entwickler bei Trainingsinhalten; unterstützt das Lizenz-zuerst-Modell; lehnt die kommerzielle TDM-Schranke ab. Weist auf den Beitrag der Kreativwirtschaft hin: 124 Mrd. £ Bruttowertschöpfung im Jahr 2023.
Next milestone
Formelle Antwort der UK-Regierung.
Why it matters
Bislang maßgeblichste Stellungnahme des britischen Parlaments gegen den TDM-mit-Opt-out-Vorschlag des UK IPO. Verschiebt das politische Kräfteverhältnis im Vereinigten Königreich gegen das EU-Style-Opt-out-Modell.
Branchen-Mustervertrag

Authors Guild Model Contract AI Clauses (April 2026)

Aktualisierung April 2026

Empfohlener Autor:innenanteil von 75-85 % an KI-Lizenzeinnahmen

No-Upload + No-AI-Substantive-Edit + Author-Disclosure-Klauseln

Status (May 2026)
Empfohlen für alle neuen Verträge zwischen Autor:innen und Verlagen. Freiwillige Anwendung.
Key rulings & events
  • April 2026 Verlage dürfen Manuskripte oder persönliche Daten der Autor:innen ohne schriftliche Einwilligung nicht in verbraucherorientierte KI hochladen. KI darf ein Manuskript nicht inhaltlich bearbeiten (Rechtschreib- und Grammatikprüfung sind zulässig). Autor:innen müssen KI-generierten Text bei der Einreichung offenlegen - begrenzt auf einen de-minimis-Anteil. KI-Vertonung, -Übersetzung oder -Cover-Art bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung.
Next milestone
Fortlaufende Verhandlungen zur Branchen-Adoption.
Why it matters
Definiert den faktischen Branchenstandard, den Autor:innen und Agent:innen bei allen neuen Deals einfordern. Zusammen mit der Human-Authored-Zertifizierung verschafft er Autor:innen einen vertraglichen und markttechnischen Hebel jenseits der Gerichte.
Zertifizierungsprogramm

Human Authored-Zertifizierung (USA + Vereinigtes Königreich)

Öffentlicher Start in den USA am 2. März 2026; UK-Start am 10. März 2026 (London Book Fair)

Über 3.000 Autor:innen / 5.000 Titel zertifiziert

Innerhalb von rund drei Monaten nach dem öffentlichen Start

Status (May 2026)
Aktiv; Authors Guild (USA) + Society of Authors (UK).
Key rulings & events
  • Jan 2025 Beta-Start (nur für Authors-Guild-Mitglieder).
  • Mär 2026 Öffentlicher Start in den USA und im Vereinigten Königreich; Sammelzertifizierung für Verlage verfügbar.
Next milestone
Fortlaufende Anmeldungen und Verlagspartnerschaften.
Why it matters
Erstes skalierbares Instrument, mit dem sich Autor:innen gegen KI-generierte Konkurrenz abgrenzen können - direkt relevant für die Sichtbarkeit von Self-Publishing-Autor:innen in Online-Buchhandlungen und für das Vertrauen der Leser:innen.

7. Lizenzvereinbarungen & Branchenpositionen

Jeder offengelegte KI-Verlagsdeal hat zwei Effekte: Er generiert Einnahmen für den Verlag (und manchmal für die Autor:innen) - und er verengt die Fair-Use-Verteidigung für die nächste Beklagte, weil er einen "Marktpreis" etabliert. Der Rahmen aus Part 3 des US Copyright Office ist hierzu explizit. Die Deals sind nachstehend mit den jeweils offengelegten Geldbeträgen und Opt-in-/Opt-out-Bedingungen aufgeführt.

Lizenz eines Publikumsverlags - erster Big-5-Deal

HarperCollins-Microsoft (KI-Deal eines Big-5-Publikumsverlags)

Angekündigt im Nov 2024

5.000 USD pro Buch · 50/50-Aufteilung

Opt-in · nicht verrechenbar · 3-jährige nicht-exklusive Laufzeit

Status (May 2026)
Laufender 3-Jahres-Deal. Beschränkt auf ausgewählte Sachbuch-Backlist-Titel.
Key rulings & events
  • Nov 2024 Zustimmung der Autor:innen erforderlich; 5.000 USD Pauschale pro Buch, 50/50 aufgeteilt (2.500 USD Autor:in / 2.500 USD Verlag); nicht verrechenbar; Ausgaben begrenzt auf ≤ 200 aufeinanderfolgende Wörter bzw. ≤ 5 % des Buchtextes.
Next milestone
Laufzeitende 2027.
Why it matters
Erster KI-Lizenzdeal eines Big-5-Verlags - setzt den Referenzwert von 2.500 USD pro Titel, auf den sich Autor:innen heute in ihren eigenen KI-Klausel-Verhandlungen berufen. In Bird v. Microsoft als Beleg dafür zitiert, dass Microsoft wusste, dass Bücher lizenzpflichtig sind.
Lizenz eines Wissenschaftsverlags - kein Opt-out

Wiley KI-Lizenzierung (Wissenschaftsverlag)

Geschäftsjahr 2024: 23 Mio. USD; Q1 GJ 2025: 21 Mio. USD

Insgesamt rund 44 Mio. USD offengelegt

Kein Opt-out für Autor:innen · Tantiemen nach "vertraglichen Bedingungen"

Status (May 2026)
Aktiv.
Key rulings & events
  • GJ 2024-GJ 2025 Backlist-Titel ab drei Jahren; KI-Deals trieben den Umsatz in Q1 GJ 2025 um 14 % auf 124 Mio. USD.
Why it matters
Etablierte das No-Opt-out-Modell der Wissenschaftsverlage - im Gegensatz zum Opt-in-Modell von HarperCollins im Publikumsbereich.
Lizenz eines Wissenschaftsverlags - kein Opt-out

Taylor & Francis (Informa) - Microsoft

Mai 2024

10 Mio. USD initial + wiederkehrend

Rund 3.000 wissenschaftliche Zeitschriften · Autor:innen nicht vorab informiert · keine direkte Vergütung

Status (May 2026)
Laufzeit 2024-2027.
Key rulings & events
  • Mai 2024 Nicht-exklusiver Zugang zu rund 3.000 wissenschaftlichen Zeitschriften ("Advanced Learning Content"). Autor:innen wurden nicht konsultiert; kein Opt-out vorgesehen; keine direkte Autor:innen-Vergütung.
Why it matters
Umstrittenster wissenschaftlicher KI-Deal des Jahres 2024 - löste Proteste wissenschaftlicher Fachgesellschaften und eine förmliche Stellungnahme der National Communication Association aus.
Lizenz eines Wissenschaftsverlags

Springer Nature - Google

Jul 2024

23 Mio. USD einmalige Zahlung

Bereits veröffentlichte wissenschaftliche Aufsätze

Status (May 2026)
Aktiv.
Why it matters
Setzt einen Benchmark-Wert für akademische KI-Trainingsinhalte - in vergleichbarer Größenordnung wie der initiale Wiley-Deal.
Position eines Wissenschaftsverlags

Cambridge University Press - Opt-in-KI-Politik

Aug 2024

Ausschließlich Opt-in

Der einzige große Wissenschaftsverlag, der das Pauschal-Deal-Modell ablehnt

Status (May 2026)
Aktive Opt-in-Politik; keine größeren Deals öffentlich angekündigt.
Why it matters
Einziger großer Wissenschaftsverlag mit Opt-in-Modell - verschafft Autor:innen einen veröffentlichten Politikhebel bei Verhandlungen mit anderen Wissenschaftsverlagen.
Branchenposition - DSM-Rechtsvorbehalt

Penguin Random House - No-AI-Copyright-Page-Klausel

Okt 2024

Erster Big-5-Verlag, der DSM-TDM-Rechte formal vorbehält

Gilt für alle neuen Bücher und Nachdrucke

Status (May 2026)
Aktiv für sämtliche neuen Titel.
Key rulings & events
  • Okt 2024 Das Impressum enthält nun: "No part of this book may be used or reproduced in any manner for the purpose of training artificial intelligence technologies or systems." ("Kein Teil dieses Buches darf zum Zweck des Trainings von Technologien oder Systemen künstlicher Intelligenz verwendet oder reproduziert werden.") Ausdrücklicher Nutzungsvorbehalt nach Art. 4 Abs. 3 der EU-DSM-Richtlinie.
Why it matters
Erster Big-5-Verlag, der TDM-Rechte formal vorbehält - verschafft PRH Aktivlegitimation nach EU-Recht (und beeinflusst jedes deutsche Verfahren nach GEMA).

Drei der Big-5-Publikumsverlage (Macmillan, Hachette, Simon & Schuster) haben Stand Mai 2026 noch keine öffentliche KI-Trainingspolitik - ein Vakuum, das Agent:innen und Autor:innen in neuen Verträgen nutzen. Die Bertelsmann-OpenAI-"strategische Zusammenarbeit" (Januar 2025) wird häufig fälschlich als Buchtraining-Lizenz zitiert; laut Bertelsmann-eigenen Aussagen verschafft sie OpenAI KEINEN Zugang zur Buchbibliothek von Penguin Random House. Bloomsbury hat KI-Lizenzierung 2025 öffentlich angenommen und seine Jahresprognose nach dem ersten Deal angehoben.

Bisher geklärte Rechtsgrundsätze

Über alle vorgenannten Verfahren hinweg sind für Autor:innen, Verlage und Cover-Designer:innen drei Fragen am wichtigsten: Ist Stil urheberrechtsfähig? Ist das Modell selbst eine Kopie der Trainingsdaten? Und wie hoch ist das Risiko pro Werk? Stand Mai 2026: Das ist, was Gerichte tatsächlich entschieden haben.

Rechtsgrundsatz

Ist künstlerischer oder schriftstellerischer "Stil" urheberrechtsfähig?

Nein - Stand Mai 2026

Stilimitation ist keine Verletzung; erkennbare Figuren und Wasserzeichen schon

Status (May 2026)
Weder US- noch UK-Gerichte haben künstlerischen Stil selbst für urheberrechtsfähig erklärt. Der Andersen-Beschluss vom 12. August 2024 wies DMCA § 1202(b)-Ansprüche gerade deshalb zurück, weil die Ausgaben nicht identisch mit den Werken der Kläger:innen waren - was Stilimitation implizit außerhalb der geschützten Zone belässt.
Why it matters
Prompts wie "im Stil von [Künstler:in]" verletzen nach keiner Entscheidung aus 2024-2026 automatisch das Urheberrecht. Die Studio-Ghibli-/OpenAI-"Ghiblifizierungs"-Kontroverse vom März 2025 - und das Abmahnschreiben des japanischen Branchenverbands CODA an OpenAI vom Oktober 2025 - bewegt sich in dieser Grauzone: In manchen Jurisdiktionen aussichtsreich als unlauterer Wettbewerb oder Persönlichkeitsrechtsverletzung, nicht aber als Urheberrechtsverletzung.
Rechtsgrundsatz

Ist das KI-Modell selbst eine "Kopie" der Trainingsdaten?

Aufteilung zwischen Gerichtsbarkeiten

In Plädoyerphase akzeptiert in N.D. Cal. (Andersen); in der Sache abgelehnt in England (Getty UK)

Status (May 2026)
Richter Orricks Andersen-Beschluss vom August 2024 akzeptierte (im Schriftsatzstadium) die "Modell-Theorie" - dass Stable Diffusion selbst eine rechtsverletzende Kopie sein könnte, weil das Modell komprimierte Transformationen der Werke der Kläger:innen verkörpere. Mrs Justice Smiths UK-Urteil [2025] EWHC 2863 (Ch) lehnte die analoge Theorie der sekundären Verletzung in der Sache ab und entschied, dass Modellgewichte keine "Kopie" im Sinne des CDPA 1988 sind.
Why it matters
Die US-Theorie lebt, ist aber noch nicht in der Hauptverhandlung getestet - der Andersen-Geschworenenprozess im September 2026 wird das erste US-Verdikt erbringen. Die UK-Theorie ist geschlossen, sofern der Court of Appeal Getty nicht aufhebt.
Rechtsgrundsatz

Wie hoch ist das Schadensersatzrisiko pro Bild bzw. Werk?

Bis zu 150.000 USD pro registriertem Werk (vorsätzlich)

Regelbetrag 30.000 USD; Mindestbetrag 750 USD; bei unverschuldeter Verletzung Reduktion auf 200 USD

Status (May 2026)
Nach 17 U.S.C. § 504(c) liegen die gesetzlichen Schadensbeträge zwischen 750 USD und 30.000 USD pro registriertem Werk - bei vorsätzlicher Verletzung bis zu 150.000 USD. Bislang hat kein Gericht entschieden, ob die Obergrenze pro Trainingsbild, pro Output-Bild oder pro Modellveröffentlichung gilt.
Why it matters
Cover-Designer:innen und Self-Publishing-Autor:innen, die KI-Werkzeuge nutzen, sind nachgelagerte gutgläubige Nutzer:innen. Wird der KI-Anbieter später als verletzend eingestuft, ist die Ausgabe der Designerin (das Buchcover) eine potenzielle nachgelagerte Handlung - die Reduktion bei unverschuldeter Verletzung senkt den gesetzlichen Schadensersatz jedoch auf bis zu 200 USD pro Werk. Das eigentliche Risiko liegt beim KI-Anbieter, nicht bei der Designerin.

So haben wir diesen Tracker erstellt

Jeder Verfahrenseintrag verlinkt auf eine CourtListener-Akte, ein Gerichts-PDF, eine Zusammenfassung der Authors Guild, eine Justiz-Webseite oder eine Pressemitteilung aus erster Hand. Berichterstattung von Kanzleien (Bird & Bird, Loeb & Loeb, Mayer Brown, Latham & Watkins, Hogan Lovells, DLA Piper, Susman Godfrey) ist einbezogen, soweit sie eine Primärquelle zusammenfasst, auf die wir verlinken.

Wir paraphrasieren Urteile nicht - wir zitieren sie. Geldbeträge sind belegt; wo sie aus einer Primärquelle nicht verifizierbar sind, schreiben wir "nicht öffentlich bekannt". Wurde gegen eine Entscheidung Berufung eingelegt oder wurde sie modifiziert, ist die Modifikation mit Datum ausgewiesen.

Erfasster Bereich: US-Bundesverfahren mit Buchautor:innen, Presseverlagen, Musikverlagen, bildenden Künstler:innen oder Studios als Klägern gegen führende LLM- oder Bildgenerator-Anbieter; zusätzlich nicht-US-Verfahren in Jurisdiktionen mit messbarem Verlagsmarkt (Vereinigtes Königreich, Deutschland, Frankreich, Japan, Südkorea, China); zusätzlich Regierungsberichte, EU-Verordnungen und große Big-5- bzw. Wissenschaftsverlag-Lizenzdeals, die die Präzedenzlandschaft prägen.

Nicht im Erfassungsbereich: GitHub Copilot (Code, kein Verlagswesen); Deepfake-/Stimmenklon-Verfahren ohne Hörbuchbezug; internationale Verfahren ohne englischsprachige Primärquelle, auf die wir verlinken können.

Frequently Asked Questions

Wurde mein Buch in einem dieser Trainingsdatensätze verwendet?
Wenn Ihr Buch in LibGen, Z-Library, Books3, OceanofPDF oder Pirate Library Mirror (PiLiMi) enthalten war, ist es wahrscheinlich in einem oder mehreren KI-Trainingsdatensätzen vorhanden. Direkte Suchmöglichkeiten: die Books3-Datenbankabfrage von The Atlantic (https://www.theatlantic.com/technology/archive/2023/09/books3-database-generative-ai-training-copyright-infringement/675363/), das Anmeldeportal des Anthropic-Vergleichs (https://www.anthropiccopyrightsettlement.com/) für Bartz-berechtigte Werke sowie die KI-Trainingsdaten-Werkzeuge und Mitgliederressourcen der Authors Guild (https://authorsguild.org/advocacy/artificial-intelligence/). Die Bartz-Anmeldefrist ist am 30. März 2026 abgelaufen - war Ihr Buch berechtigt und nicht angemeldet, bleiben Sie zwar Klassen-Mitglied im Sinne des Verfahrens, können unter diesem Vergleich aber keine Anmeldung mehr einreichen; das Verfahren Carreyrou (Dezember 2025, siehe Abschnitt 1) ist die Vorlage für Opt-out-Kläger:innen, die sich entschieden haben, separat zu klagen.
Was bedeutet der Bartz-Vergleich, wenn mein Buch nicht angemeldet wurde?
Die Bartz-Anmeldefrist (30. März 2026) ist abgelaufen. War Ihr Buch berechtigt und wurde nicht angemeldet, bleibt es zwar Klassen-Mitglied im Sinne des Verfahrens, kann unter diesem Vergleich aber keine Auszahlung mehr beantragen. Künftige Vergleiche mit Anthropic für Handlungen nach dem 25. August 2025 - oder Vergleiche mit anderen Beklagten (OpenAI, Meta, Microsoft, xAI, Perplexity, Google) - wären gesonderte Anmeldeverfahren.
Kann ich ein KI-Unternehmen noch verklagen, wenn mein Buch gescrapt wurde?
Ja, in den meisten Fällen. Bartz entlastet vergangene Anthropic-Handlungen gegenüber Klassen-Mitgliedern; künftige Handlungen oder andere Beklagte werden davon nicht erfasst. Das Verfahren Carreyrou et al. v. Anthropic / OpenAI / Google / Meta / xAI / Perplexity (Dezember 2025) wurde von Bartz-Opt-outs eingereicht und zeigt die Strategie, gesetzlichen Schadensersatz pro Beklagter zu kumulieren.
Sind KI-generierte Buchcover rechtmäßig?
Nach derzeitiger Rechtsprechung ist das Cover selbst (die Ausgabe) nicht automatisch rechtsverletzend - es bestehen jedoch zwei engere Risiken. (1) Markenrechts- oder Figuren-bezogene Verletzungen auf Output-Ebene sind angreifbar (Getty-UK-Urteil zu Wasserzeichen; Disney/Universal/Warner Bros. v. Midjourney). (2) Wird Ihr KI-Anbieter später bezüglich Trainingsdaten als verletzend eingestuft, ist Ihre Ausgabe eine nachgelagerte Handlung; allerdings beträgt der gesetzliche Mindestschadensersatz bei unverschuldeter Verletzung 200 USD pro Werk. Andersen v. Stability AI (Geschworenenprozess am 8. September 2026) wird das erste US-Verdikt zur zugrunde liegenden "Modell-als-Kopie"-Theorie liefern.
Kann ich ein mit KI geschriebenes Buch urheberrechtlich schützen lassen?
In den USA sind reine KI-Ausgaben laut Part-2-Bericht des US Copyright Office (Januar 2025) nicht schutzfähig. Menschliche Bearbeitung, Anordnung oder Auswahl KI-generierter Inhalte KANN schutzfähig sein. Sie müssen KI-generierte Inhalte im Registrierungsantrag offenlegen. Der Beijing Internet Court (16. September 2025) entschied das Gegenteil - KI-generierte Bilder können nach chinesischem Recht schutzfähig sein, sofern hinreichender "schöpferischer Aufwand" vorliegt. In Deutschland und in den meisten anderen Jurisdiktionen gilt - in der Linie des US-Ansatzes - die Notwendigkeit einer persönlichen geistigen Schöpfung im Sinne von § 2 UrhG; reine KI-Ausgaben ohne hinreichende menschliche Schöpfungshöhe sind nicht schutzfähig.
Gilt die EU-KI-Verordnung für mich als Nicht-EU-Autorin oder -Autor?
Nicht direkt. Sie gilt für Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck, die auf dem EU-Markt bereitgestellt werden. Sie verschafft Ihnen aber Einblick darin, womit diese Modelle trainiert wurden - die offizielle Vorlage für die Zusammenfassung der Trainingsinhalte (veröffentlicht am 24. Juli 2025) verlangt die Offenlegung wichtiger Datensätze. Zusammen mit der TDM-Opt-out-Möglichkeit nach Art. 4 Abs. 3 EU-DSM-Richtlinie ist das der zentrale Hebel für Rechteinhaber:innen auf EU-Seite.
Wie unterscheidet sich die Position des Vereinigten Königreichs von der US-Position?
Zwei materielle Unterschiede Stand Mai 2026. Erstens: Mrs Justice Smiths Getty-UK-Urteil [2025] EWHC 2863 (Ch) stellte fest, dass KI-Modellgewichte keine "Kopie" sind - das schließt die Theorie "Modell als Verletzung" im Vereinigten Königreich, sofern sie nicht in der Berufung aufgehoben wird. Zweitens: Der Bericht des UK House of Lords vom März 2026 lehnt die von der UK-Regierung vorgeschlagene EU-Style-TDM-Schranke für kommerzielle Zwecke ab; die Regierung hat noch nicht reagiert. Prozessuale Auseinandersetzungen im Vereinigten Königreich beschränken sich derzeit auf Marken- und Datenbankrechtsansprüche auf Output-Ebene (Mumsnet).
Welches Bartz-Präjudiz testen die anderen Verfahren?
Richter Alsup teilte die Fair-Use-Frage auf: Training mit rechtmäßig erworbenen Büchern = Fair Use ("spektakulär transformativ"); das Vorhalten raubkopierter LibGen/PiLiMi-Kopien in einer "zentralen Bibliothek" = Verletzung. Jedes andere US-Verfahren argumentiert nun, ob sein Sachverhalt auf der Seite des legalen Erwerbs oder auf der Seite des raubkopierten Erwerbs liegt. Der Part-3-Bericht des US Copyright Office fügt eine dritte Ebene hinzu - "verlorene Lizenzmärkte": Jeder offengelegte KI-Verlagsdeal verengt die Fair-Use-Verteidigung für die nächste Beklagte.
Was sollte ich tun, wenn mein Verlag ohne meine Kenntnis einen KI-Lizenzdeal abgeschlossen hat?
Prüfen Sie Ihren Vertrag auf eine KI-Rechte-Klausel. Die meisten Verträge vor 2024 äußern sich nicht zu KI-Training, was zu Unklarheiten geführt hat, die in beide Richtungen entschieden wurden (Wiley und Taylor & Francis ohne Opt-out; HarperCollins mit Opt-in). Die Mustervertragsklauseln der Authors Guild vom April 2026 sind der faktische Branchenstandard, den Autor:innen und Agent:innen heute verlangen. Die Partnerschaft Authors Guild-Created by Humans bietet eine autor:innengesteuerte Opt-in-Alternative zu Pauschal-Deals von Verlagen.
Wie oft wird dieser Tracker aktualisiert?
Monatlich, solange die maßgeblichen Verfahren aktiv sind. Der jeweilige Stand spiegelt das Datum im "Aktualisiert"-Hinweis am Seitenanfang wider. Für Akten, die sich wöchentlich verändern (NYT v. OpenAI Discovery, Andersen Vorverfahren, MDL 3143), prüfen Sie bitte den Primärquellen-Link für die aktuelle Eingabe.

Änderungsprotokoll

2026-05-28

Erstveröffentlichung. 28 Verfahren, Urteile und Lizenzdeals in 7 Abschnitten plus 3 Rechtsgrundsatz-Einträge — fokussiert auf die Litigation, Regulierung und Vertragstätigkeit, die Autor:innen, Verlage und Buchcover-Designer:innen unmittelbar betrifft. Umfasst Bartz v. Anthropic (1,5 Mrd. USD), Thomson Reuters v. Ross (grundlegendes Fair-Use-Urteil), MDL 3143, Kadrey v. Meta, Bird v. Microsoft, Carreyrou (Dez 2025), NYT v. OpenAI 20-Mio.-Log-Beschluss, Concord-Lyrics-Verfahren (inkl. 3-Mrd.-USD-Lyrics-II Jan 2026), Andersen (Prozess 8. Sep 2026), Getty US + UK, Disney + Universal + WB v. Midjourney, Zhang v. Google Imagen, Kneschke v. LAION, GEMA v. OpenAI München, SNE v. Meta Frankreich, US Copyright Office Teile 2 + 3, EU AI Act Art. 53, UK House of Lords HL Paper 267, Authors Guild Model Clauses + Human-Authored-Zertifizierung, HarperCollins / Wiley / Taylor & Francis / Springer Nature / Cambridge UP / PRH No-KI-Klausel.

Vollständige Quellen

Alle oben zitierten Primärquellen, gruppiert nach Typ. Gerichtsakten über CourtListener (Free Law Project), sofern verfügbar.

Gerichtsakten (USA)

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